Konzept

Zainab ist vor einem Jahr aus Syrien nach Österreich geflüchtet. Sie hat eine zweijährige Tochter namens Nour. Inzwischen hat die Familie einen positiven Asylbescheid bekommen. Das AMS vermittelt Zainab einen kostenlosen, aber verpflichtenden Deutschkurs, den sie gerne besuchen würde. Sie kann aber nicht daran teilnehmen, weil sie für Nour keinen Betreuungsplatz gefunden hat. Deshalb meldet sie sich beim AMS ab und verzichtet somit auf den Deutschkurs.

So wie Zainab geht es vielen geflüchteten Müttern. Besonders für Familien mit 0-3jährigen Kindern ist es schwer, in Wien einen Betreuungsplatz zu finden. Städtische Kinderkrippen sind meist an eine Erwerbstätigkeit gebunden, private sind in der Regel für geflüchtete Familien nicht leistbar. Viele Mütter entschließen sich also, auf ihre Deutschkurse zu verzichten, bis ihr Kind drei Jahre alt ist und Anspruch auf einen Kindergartenplatz hat. Kind und Mutter bleiben während dieser Zeit weitgehend isoliert und haben Schwierigkeiten, sich zu integrieren.

Unsere Lösung:

Da kommen wir vom Weltkindernetzwerk ins Spiel: Wir vermitteln Zainab und ihre Tochter Nour an eine Wiener Tagesmutter. So findet Nour SpielkameradInnen und lernt ganz schnell Deutsch, während Zainab einen Deutschkurs besuchen oder sogar arbeiten kann.
Tagesmütter können sich um jedes Kind individuell kümmern. Kinder wie Nour erhalten durch sie viel Zuwendung, feste Strukturen und eine fixe Bezugsperson – Rahmenbedingungen, die besonders nach einer Flucht sehr wichtig sind.

Unsere Lösung ist simpel, aber effektiv: Mit dem Weltkindernetzwerk verschieben wir den Startpunkt der Integration geflüchteter Familien um
1-2 Jahre nach vorne.

So funktioniert’s:

Tagesmütter betreuen bis zu 5 Kinder in ihrer eigenen Wohnung. Sie haben eine zertifizierte Ausbildung abgeschlossen und erhalten für jedes Kind eine monatliche Förderpauschale von der Stadt Wien.
Auch Kinder von AsylwerberInnen und Asylberechtigten werden gefördert.

Für 16 – 20 Betreuungsstunden pro Woche verlangen Tagesmütter keinen oder nur einen minimalen Aufpreis. Wird die Betreuung beispielsweise für 30 Stunden pro Woche benötigt, fällt ein kleiner Betrag an, der normalerweise unter 50€ pro Monat liegt. Die Betreuung durch Tagesmütter ist für geflüchtete Familien also bezahlbar.

Zwischen der Tagesmutter und den Eltern der Betreuungskinder besteht in der Regel ein intensiver Austausch. In der Eingewöhnungsphase gibt das Weltkindernetzwerk geflüchteten Müttern Mentorinnen an die Hand, die ihre Muttersprache sprechen und die Kommunikation mit der Tagesmutter erleichtern. Im Laufe der Zeit können die Mütter ihre neu erlernten Deutschkenntnisse dann selbst anwenden.

Den Kontakt zu geflüchteten Familien stellen wir über Träger der Flüchtlingshilfe her, wie etwa über die Caritas Integrationsberatung, das Donauquartier oder die Diakonie Wien. Auch dank unserer Netzwerke zu anderen sozialen Initiativen für Geflüchtete – beispielsweise Fremde werden Freunde, More than one perspective, Refugeeswork – werden Anfragen interessierter Familien an uns herangetragen.
Tagesmütter, die sich bei uns engagieren wollen, können sich hier bei uns melden. Bisher haben wir Kontakte über Eltern-Kind-Zentren, Vereine wie das Kirschbaumhaus und persönliche Netzwerke hergestellt. Wir setzen uns zum Ziel, weitere Kooperationen mit der Volkshilfe, dem Wiener Hilfswerk und der Kinderdrehscheibe aufzubauen.

Das Weltkindernetzwerk bietet geflüchteten Familien die Chance, soziale Kontakte aufzubauen und sich in eine weitere Gemeinschaft zu integrieren. Tagesmütter und geflüchtete Familien können sich untereinander austauschen – beispielsweise bei monatlichen Veranstaltungen und Ausflügen.

Geflüchtete Mütter, die erfolgreich das Deutschlevel B1 erreicht haben, sollen die Möglichkeit erhalten, neue Mütter im Weltkindernetzwerk als Mentorinnen zu unterstützen. Durch dieses interne „Buddy-System“ schließt sich der Kreis von Geben und Nehmen – erst wird einer geflüchteten Frau geholfen, dann kann sie mit ihrem erlernten Wissen und ihren Erfahrungen anderen Frauen helfen. Das Weltkindernetzwerk entwickelt sich dadurch von innen und kann weiter wachsen. Gleichzeitig erweitern die Frauen ihr soziales Netzwerk und sammeln erste Berufserfahrungen.
Frauen, die Teil unseres Netzwerks geworden sind und ausreichende Deutschkenntnisse besitzen, wollen wir dabei unterstützen, sich schlussendlich auch in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wir vernetzen sie dafür mit Initiativen, die sich genau darauf spezialisiert haben – wie etwa MTOP, refugeeswork oder work:in.